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Ist grüner Wasserstoff die Zukunft?

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Ist grüner Wasserstoff die Zukunft?

Region und Leibniz-Universität starten Projekt: Neues Reallabor soll CO2-Emissionen reduzieren Von Simon Polreich

Region und Leibniz-Universität starten Projekt: Neues Reallabor soll CO2-Emissionen reduzieren

Von Simon Polreich 

Garbsen. Riesige, mit silbern glänzender Folie bedeckte Rohre schlängeln sich über die gesamte Höhe der Halle. Graue Kästen voller Hightech stehen dazwischen. Normalerweise herrscht hier ohrenbetäubender Lärm. In der Kompressorenstation des Forschungsbaus Dynamik der Energiewandlung (DEW) auf dem Maschinenbau-Campus in Garbsen werden 22 Kilogramm Luft pro Sekunde durch die Röhren gejagt, um riesige Turbinen zu testen. Künftig will man sich hier verstärkt dem zukunftsträchtigen Energieträger Wasserstoff widmen, Brennstoffmotoren, Antriebe und mehr entwickeln – und innerhalb von fünf Jahren zum globalen Player der Wasserstoff-Szene werden. Dazu haben Leibniz-Universität und Region Hannover jetzt den Schulterschluss gewagt und ein Co-Projekt gestartet.

„Hannover soll eine der führenden Regionen bei der Anwendung von grünem Wasserstoff werden“, sagt Regions-Wirtschaftsdezernent Ulf-Birger Franz beim Besuch vor Ort. Richtig eingesetzt könne er dazu beitragen, die CO2-Emissionen von Handwerks- und Industriebetrieben dauerhaft zu senken. Um die Forschung zu fördern und auch Berührungsängste zu verringern, beteiligt sich die Region am Aufbau eines sogenannten Wasserstoff-Reallabors, das am Campus Maschinenbau entstehen soll – nicht als neues Gebäude, aber als Forschungsprojekt, das die Region auch finanziell unterstützt. Die Summe müsse aber erst noch beschieden werden.

Hin zu Wasserstoffbussen

Von den Effekten könnte die ganze Region profitieren: etwa durch Neuansiedlungen von Start-ups am gestärkten Wissenschaftsstandort bis hin zu den Anwendungen der Forschung im öffentlichen Bereich – „in etwa zwei Jahren könnten Üstra und Regiobus wasserstoffbetriebene Busse in Serie einsetzen“, so Franz.

„Umsätze generieren und Emissionen einsparen“, so fasst Professor Jörg Seume, Leiter des Instituts für Turbomaschinen und Fluid Dynamik, die mittelfristigen Ziele der Forschung zusammen. Kurzfristig könnten kleinere und mittlere Unternehmen im Umkreis des Campus mit der Umsetzung von technischen Lösungen beauftragt werden. „Grüner Wasserstoff kann für Brennstoffzellen und als Wärmeträger, aber auch für hocheffiziente Verbrennungsmotoren genutzt werden“, zählt er auf.

Multikopter mit Wasserstoff

Ein ganz praktisches Beispiel ist die bereits laufende Arbeit am wasserstoffbetriebenen Multikopter – eine Drohne, die statt Batterien einen Wasserstofftank bei sich trägt. Der Miniflieger schlägt dabei die Stromkonkurrenz nicht nur aufgrund seiner erheblich größeren Reichweite um Längen. Auch größere Lasten bewältigt ein wasserstoffbetriebener Multikopter – und könnte deshalb auch beim Transport und Versand so mancher Güter auf kurzer Strecke den Lkw ersetzen. Große Klimavorteile sieht Seume, wenn Wasserstoffmotoren für Lkw in Serie gehen. Noch mehr im Flugverkehr. „Auch in der Forschung daran sind wir schon sehr aktiv“, sagt der Professor. Die Risiken seien dabei sehr gering. „Viele Menschen denken an den Absturz des Zeppelins Hindenburg und glauben deshalb, dass Wasserstoff viel entzündlicher ist als übliche Brennstoffe“, sagt Seume. Das sei ein Irrglaube. „Wasserstoff ist ein sehr sicherer Brennstoff“, betont er.

Ein dritter Punkt sei die Speicherfähigkeit, die Wasserstoff mitbringe. „Er hat eine hohe Energiedichte“, betont Seume. Mit Strom aus Wind- und Solaranlagen etwa lässt sich Wasserstoff weitestgehend klimaneutral herstellen.

Die Potenziale, die die Forschung am Wasserstoff mit sich bringt, seien enorm, findet Dezernent Franz. In fünf Jahren – so das ehrgeizige Ziel – will man Garbsen zum Standort von globaler Präsenz machen. „Ich wünsche mir, dass eine regelrechte Wasserstoff-Szene entsteht, in der neue Produkte entwickelt werden.“ Davon ist Professor Seume schon überzeugt. „Die Studenten bringen heutzutage viel mehr Unternehmergeist mit als früher. Wenn wir sie hier mit den richtigen Ideen infizieren, wird das allen Menschen zugutekommen“, sagt er.



Quellenangabe: Garbsen/Seelze vom 21.09.2021, Seite 1